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Wohngeld-Kürzungen: Warum in Rheinland-Pfalz viele Menschen betroffen wären

Die Bundesregierung plant, das Wohngeld ab 2027 zu kürzen. Wohngeld ist ein staatlicher Zuschuss für Menschen, deren Einkommen für Miete und Wohnkosten nicht ausreicht, die aber noch keine Grundsicherung erhalten.

Auch in Rheinland-Pfalz sind viele Menschen von den Plänen betroffen. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage von Dr. Lea Heidbreder und Lisett Stuppy, beide BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Landtag Rheinland-Pfalz, hervor.

In Rheinland-Pfalz bezogen Ende 2024 48.890 Haushalte Wohngeld. Die geplante Reform kann dazu führen, dass fast alle von ihnen weniger Geld erhalten. Viele könnten ihren Anspruch ganz verlieren. Dann droht ihnen der Wechsel in die Grundsicherung, also staatliche Hilfe für Menschen, deren Einkommen nicht für den Lebensunterhalt und die Wohnung reicht.

Wohngeld in Rheinland-Pfalz: Die wichtigsten Zahlen

Die Zahl der Wohngeldhaushalte in Rheinland-Pfalz ist dank der Wohngeldreform der Ampel-Regierung im Bund stark gestiegen. 2021 bezogen 24.540 Haushalte Wohngeld. Ende 2024 waren es 48.890. Die Zahl hat sich damit in drei Jahren fast verdoppelt.

Viele Menschen, die Wohngeld bekommen, haben besonders wenig Spielraum:

  • 25.275 Wohngeldhaushalte sind Einpersonenhaushalte, darunter 20.795 Rentnerinnen und Renter
  • In 19.455 Wohngeldhaushalten leben Kinder
  • Mindestens 4.950 Haushalte sind Alleinerziehende mit bis zu drei Kindern
  • In 24.250 Haushalten ist die Person, die Wohngeld beantragt hat, im Ruhestand oder in Pension

Einpersonenhaushalte erhielten Ende 2024 durchschnittlich 212 Euro Wohngeld im Monat. Vierpersonenhaushalte erhielten durchschnittlich 382 Euro. Dieses Geld hilft vielen Menschen, steigende Mieten und Wohnkosten zu stemmen.

Was plant die Bundesregierung beim Wohngeld?

Die Bundesregierung plant drei Änderungen:

  1. Das Wohngeld soll zunächst nicht mehr an steigende Preise und Mieten angepasst werden.
  2. Die Heizkostenkomponente soll halbiert werden. Das ist ein pauschaler Betrag, der bei der Berechnung des Wohngeldes für Heizkosten berücksichtigt wird.
  3. Die Wohngeldformel soll verändert werden. Dadurch soll Einkommen stärker auf das Wohngeld angerechnet werden. Haushalte bekommen dann weniger Wohngeld oder verlieren ihren Anspruch ganz.

Die Änderungen sollen nach bisherigem Stand am 1. Januar 2027 beginnen. Bundestag und Bundesrat müssen dem Gesetz aber noch zustimmen.

Bereits bewilligtes Wohngeld soll grundsätzlich bis zum Ende des laufenden Zeitraums weitergezahlt werden. Die Kürzungen würden deshalb vor allem greifen, wenn Wohngeld neu beantragt oder verlängert wird.

Bundesbauministerin Verena Hubertz begründet die geplanten Einsparungen mit der schwierigen Haushaltslage des Bundes. Sie erklärte zugleich, dass alle bisherigen Wohngeldempfänger von den Kürzungen berührt würden. Rund ein Drittel der bisherigen Wohngeldhaushalte solle künftig keinen Anspruch mehr haben.

Warum kann die Reform Menschen in die Grundsicherung drängen?

Wohngeld soll verhindern, dass Menschen wegen hoher Wohnkosten Grundsicherung brauchen. Grundsicherung ist staatliche Hilfe für Menschen, deren Einkommen nicht für den Lebensunterhalt und die Wohnung reicht.

SGB II ist die gesetzliche Regelung für die Grundsicherung von Menschen, die grundsätzlich arbeiten können. SGB XII betrifft unter anderem die Grundsicherung im Alter oder bei voller Erwerbsminderung.

Wenn Wohngeld wegfällt, bleibt die Miete trotzdem gleich hoch. Menschen mit kleinen Einkommen oder kleinen Renten können dann auf Grundsicherung angewiesen sein.

Der Gesetzentwurf der Bundesregierung rechnet selbst damit, dass bis 2029 bundesweit 74.000 Haushalte in Leistungen nach dem SGB II wechseln und weitere 89.000 Haushalte Anspruch auf Leistungen nach dem SGB XII erhalten könnten. Zusammen sind das 163.000 Haushalte.

Wohngeld-Kürzungen können Kommunen mehr Geld kosten

Wenn mehr Menschen Grundsicherung brauchen, steigen auch die Kosten für Städte und Landkreise. Denn Kommunen beteiligen sich an den Kosten für Unterkunft und Heizung.

Der Bund rechnet bundesweit mit zusätzlichen kommunalen Kosten von 33 Millionen Euro im Jahr 2027 und 58 Millionen Euro im Jahr 2028. Für Rheinland-Pfalz gibt es bisher keine genaue Prognose.

Die geplanten Kürzungen sparen also Geld beim Wohngeld. Gleichzeitig können sie an anderer Stelle neue Kosten verursachen.

Uneinigkeit in der SPD beim Thema Wohngeld

Auch innerhalb der SPD gibt es bei den angekündigten Wohngeld-Kürzungen einen deutlichen Dissens. Bundesbauministerin Verena Hubertz verteidigt die Kürzungen als Teil der Sparpläne des Bundes. Der rheinland-pfälzische Bauminister Sven Teuber widerspricht hingegen und nennt die Pläne das völlig falsche Signal“. Eine einheitliche Linie der SPD gibt es beim Wohngeld damit offenbar nicht.

Haltung der GRÜNEN Landtagsfraktion Rheinland-Pfalz

Die GRÜNE Landtagsfraktion Rheinland-Pfalz lehnt die geplanten Wohngeld-Kürzungen ab. Sie fordert, den Kreis der Berechtigten, den Zuschuss zu Heizkosten und die regelmäßige Anpassung an steigende Preise und Mieten beizubehalten.

Dr. Lea Heidbreder, Sprecherin für Wohnen, verweist auf die Antwort der Landesregierung. Die Zahlen zeigten, wie wichtig Wohngeld für bezahlbares Wohnen in Rheinland-Pfalz sei. Gerade bei hohen Mieten und Nebenkosten sei es falsch, den Anspruch auf Wohngeld einzuschränken. Heidbreder appelliert an die Bundesregierung: „Wir fordern sie auf, die Kürzungspläne zu stoppen.“

Lisett Stuppy, Sprecherin für Soziales, betont, dass die Kürzungen besonders Familien, Alleinerziehende und Rentner treffen können. Sie warnt: „Wer das Wohngeld kürzt, verschärft Armut und drängt weitere Menschen in die Grundsicherung.“

Wohngeld-Kürzungen lösen die Wohnungskrise nicht. Sie senken weder Mieten noch schaffen sie bezahlbare Wohnungen. Notwendig sind verlässliche Unterstützung für Menschen mit kleinen Einkommen, mehr öffentlich geförderte Wohnungen und starke Kommunen.

Häufige Fragen zu den geplanten Wohngeld-Kürzungen

Die Bundesregierung plant drei Kürzungen: Das Wohngeld soll zunächst nicht mehr an steigende Preise und Mieten angepasst werden. Außerdem soll der Zuschuss zu Heizkosten kleiner werden. Und die Berechnung soll verändert werden. Dadurch würden viele Haushalte weniger Wohngeld bekommen. Einige könnten ihren Anspruch ganz verlieren.

Die Änderungen sollen nach bisherigem Stand am 1. Januar 2027 beginnen. Dafür müssen Bundestag und Bundesrat aber noch zustimmen.
Wer bereits Wohngeld bewilligt bekommen hat, soll es grundsätzlich bis zum Ende des laufenden Bewilligungszeitraums weiter erhalten. Die Kürzungen würden deshalb vor allem bei neuen Anträgen oder bei der Verlängerung von Wohngeld greifen.
 

Ende 2024 bezogen 48.890 Haushalte in Rheinland-Pfalz Wohngeld. 2021 waren es noch 24.540 Haushalte. Die Zahl hat sich damit in drei Jahren fast verdoppelt. Die Ampel-Regierung im Bund hat unter der Beteiligung der GRÜNEN den Kreis der Berechtigten stark ausgeweitet, damit mehr Menschen Unterstützung bekommen können.

In Rheinland-Pfalz beziehen viele Menschen Wohngeld, die nur ein geringes Einkommen oder eine kleine Rente haben. Dazu gehören 25.275 Einpersonenhaushalte, 19.455 Haushalte mit Kindern und mindestens 4.950 Alleinerziehenden-Haushalte mit bis zu drei Kindern.
In 24.250 Wohngeldhaushalten ist die Person, die den Antrag gestellt hat, im Ruhestand oder in Pension.
 

Ja. Wohngeld soll Menschen helfen, ihre Miete und Wohnkosten zu bezahlen, obwohl ihr Einkommen dafür allein nicht reicht. Fällt Wohngeld weg, kann das Einkommen zu niedrig für den Lebensunterhalt und die Wohnung sein.
Dann kann ein Anspruch auf Grundsicherung entstehen. Das ist staatliche Unterstützung für Menschen, deren Einkommen nicht ausreicht. SGB II ist die gesetzliche Regelung für Grundsicherung von Menschen, die grundsätzlich arbeiten können. SGB XII betrifft unter anderem die Grundsicherung im Alter oder bei voller Erwerbsminderung.
Der Gesetzentwurf der Bundesregierung rechnet damit, dass bis 2029 bundesweit 163.000 Haushalte wegen der Kürzungen in diese Leistungen wechseln könnten.
 

Menschen in der Grundsicherung erhalten auch Hilfe für ihre Wohnkosten. An diesen Kosten sind die Kommunen beteiligt. Wenn mehr Menschen Grundsicherung brauchen, steigen deshalb auch die Ausgaben der Städte und Landkreise.
Der Bund rechnet bundesweit mit zusätzlichen kommunalen Kosten von 33 Millionen Euro im Jahr 2027 und 58 Millionen Euro im Jahr 2028. Für Rheinland-Pfalz gibt es bisher keine genaue Prognose.
 

Die GRÜNE Landtagsfraktion Rheinland-Pfalz lehnt die geplanten Kürzungen ab. Sie fordert: Das Wohngeld muss weiter regelmäßig an steigende Mieten und Preise angepasst werden. Auch der Zuschuss zu Heizkosten und der Anspruch auf Wohngeld sollen erhalten bleiben.
Die Fraktion warnt: Wer Wohngeld kürzt, kann Armut verschärfen und Menschen in die Grundsicherung drängen. Das löst die Wohnungsnot nicht, sondern verlagert Kosten auf Städte und Landkreise. Stattdessen braucht es mehr öffentlich geförderte Wohnungen und bezahlbare Mieten.
 

Tabelle 1: Anzahl Haushalte, die Wohngeld beziehen

Verwaltungsbezirk2021202220232024
Frankenthal (Pfalz), St.295335650680
Kaiserslautern, St.55052511151215
Koblenz, St.1 155110019502135
Landau i. d. Pfalz, St.365385640725
Ludwigshafen a. Rh., St.1 145121519852270
Mainz, St.1 285123020052270
Neustadt a. d. Weinstr., St.400385735810
Pirmasens, St.4855059901055
Speyer, St.385355770810
Trier, St.1 035112018802105
Worms, St.74575513051470
Zweibrücken, St.275315615710
Ahrweiler83078511651440
Altenkirchen (Ww.)86588517151830
Alzey-Worms60062513101400
Bad Dürkheim515435880995
Bad Kreuznach1 360137518802250
Bernkastel-Wittlich465460855985
Birkenfeld64057011701235
Cochem-Zell330295545735
Donnersbergkreis495440915925
Eifelkreis Bitburg-Prüm430500870965
Germersheim55554510701190
Kaiserslautern490520785815
Kusel375365715780
Mainz-Bingen86592018501910
Mayen-Koblenz1 530148525952850
Neuwied1 210114022402665
Rhein-Hunsrück-Kreis525445855930
Rhein-Lahn-Kreis86596516451800
Rhein-Pfalz-Kreis62561010401140
Südliche Weinstraße435485850965
Südwestpfalz435490855845
Trier-Saarburg450335920940
Vulkaneifel405380710785
Westerwaldkreis1 130102021152255
Anzahl der Haushalte, die Wohngeld beziehen - Zahlen für Rheinland-Pfalz

Tabelle 2: Anzahl Haushalte, die Wohngeld beziehen nach Haushaltsgröße

Haushalte mit … Personenam 31.12.2021am 31.12.2022am 31.12.2023am 31.12.2024
112 18012 17522 83025 275
23 1553 0355 9706 320
31 7651 6453 4853 690
42 7652 7304 8855 575
52 4202 4603 8904 480
6 oder mehr2 2552 2703 1103 550
Tabelle 2: Anzahl Haushalte, die Wohngeld beziehen nach Haushaltsgröße - Zahlen für Rheinland-Pfalz

Tabelle 3: Miet- und Lastenzuschuss nach Verwaltungsbezirken

VerwaltungsbezirkMietzuschussLastenzuschuss
Frankenthal (Pfalz), St.63535
Kaiserslautern, St.1 14050
Koblenz, St.2 03545
Landau i. d. Pfalz, St.69530
Ludwigshafen a. Rh., St.
2 15085
Mainz, St.2 18055
Neustadt a. d. Weinstr., St.74050
Pirmasens, St.97555
Speyer, St.75535
Trier, St.2 02055
Worms, St.1 35090
Zweibrücken, St.66050
Ahrweiler1 280130
Altenkirchen (Ww.)1 470340
Alzey-Worms1 185195
Bad Dürkheim87590
Bad Kreuznach1 960215
Bernkastel-Wittlich785185
Birkenfeld980235
Cochem-Zell580145
Donnersbergkreis770130
Eifelkreis Bitburg-Prüm795155
Germersheim1 07095
Kaiserslautern630170
Kusel535215
Mainz-Bingen1 735130
Mayen-Koblenz2 490295
Neuwied2 250365
Rhein-Hunsrück-Kreis770120
Rhein-Lahn-Kreis1 600165
Rhein-Pfalz-Kreis960160
Südliche Weinstraße835115
Südwestpfalz620215
Trier-Saarburg795130
Vulkaneifel615150
Westerwaldkreis1 875335
Miet- und Lastenzuschuss nach Verwaltungsbezirken - Zahlen für Rheinland-Pfalz

Tabelle 4: Wohngeldhaushalte nach Personenanzahl

Haushalte mit … Personenam 31.12.2024
22 655
33 425
45 440
54 420
6 oder mehr3 515
Wohngeldhaushalte nach Personenanzahl am 31.12.2024 - Zahlen für Rheinland-Pfalz

Tabelle 5: Wohngeldhaushalt nach pensionierter/verrenteter antragsstellender Person
 

Haushalte mit … Personenam 31.12.2024
120 795
22 980
3235
4135
565
6 oder mehr40
Wohngeldhaushalt nach pensionierter/verrenteter antragsstellender Person - Zahlen für Rheinland-Pfalz

Tabelle 6: Höhe d. durchschn. monatlichen Wohngeldes in den Jahren 2021 - 2024

VerwaltungsbezirkHöhe d. durchschnittlichen monatlichen Wohngeldes in EUR (reine Wohngeldhaushalte = WH; Mischhaushalte = MH)
2021202220232024
VerwaltungsbezirkWHMHWHMHWHMHWHMH
Frankenthal (Pfalz), St.192-208-347-335-
Kaiserslautern, St.188-187-303-286235
Koblenz, St.199139205137325189310217
Landau i. d. Pfalz, St.189-190-321-306-
Ludwigshafen a. Rh., St.244-245-387243372231
Mainz, St.239156253159375280377287
Neustadt a. d. W., St.184117193-317215313-
Pirmasens, St.143-147-257-249-
Speyer, St.198-184-301-288-
Trier, St.195117195126312290299212
Worms, St.209-216-344215331149
Zweibrücken, St.158-152-281-264-
Ahrweiler207-206-320204305274
Altenkirchen (Ww.)176-182-302156285-
Alzey-Worms208-200-327-314-
Bad Dürkheim168-174136291195271203
Bad Kreuznach177127178128295243290192
Bernkastel-Wittlich174-181-287-273-
Birkenfeld158-153-268-259-
Cochem-Zell167-174-277-275-
Donnersbergkreis178142169-266235258237
Eifelkreis Bitburg-Prüm176-173-276-255-
Germersheim202-208-331-309-
Kaiserslautern196-199-344-332-
Kusel166154170150277220272238
Mainz-Bingen225-232185346323331262
Mayen-Koblenz181147182155292232284195
Neuwied204162210157315235305196
Rhein-Hunsrück-Kreis164129176117295156282172
Rhein-Lahn-Kreis174129180129278226271162
Rhein-Pfalz-Kreis253-249-367227329-
Südliche Weinstraße182-190-301-285-
Südwestpfalz192-183-278-264-
Trier-Saarburg148-167-274-256-
Vulkaneifel162-166-265176252-
Westerwaldkreis166166171159283260268249
Höhe d. durchschnittlichen monatlichen Wohngeldes in EUR (reine Wohngeldhaushalte = WH; Mischhaushalte = MH) - Zahlen für Rheinland-Pfalz

Tabelle 7: Höhe d. durchschn. monatlichen Wohngeldes in den Jahren 2021 bis 2024 nach Haushaltsgröße

Haushalte mit … Personenam 31.12.2021am 31.12.2022am 31.12.2023am 31.12.2024
1130134220212
2158157243230
3183189298274
4228231406382
5290298517491
6 oder mehr417413687664
Höhe d. durchschn. monatlichen Wohngeldes in den Jahren 2021 bis 2024 nach Haushaltsgröße - Zahlen für Rheinland-Pfalz