Mehr als 1.200 Menschen sind in Rheinland-Pfalz nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts an den Folgen extremer Hitze gestorben. Die Zahl zeigt: Die Klimakrise gefährdet längst ganz konkret die Gesundheit und das Leben der Menschen in unserem Land.
Besonders betroffen sind ältere und pflegebedürftige Menschen. Ihr Körper kann sich oft schlechter an hohe Temperaturen anpassen. Vorerkrankungen und bestimmte Medikamente können das gesundheitliche Risiko zusätzlich erhöhen. Viele Pflegebedürftige können außerdem nicht selbstständig für Abkühlung sorgen oder ausreichend trinken.
Pflegeeinrichtungen brauchen Unterstützung bei baulichen Maßnahmen
Wie gut Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen in Rheinland-Pfalz auf extreme Hitze vorbereitet sind, haben Katrin Eder und Josef Winkler in einer parlamentarischen Anfrage zum Hitzeschutz thematisiert.
Aus der Antwort der Landesregierung geht hervor, dass derzeit keine gezielte Förderung für baulichen Hitzeschutz in Pflegeeinrichtungen geplant ist. Die Kosten für notwendige Investitionen können stattdessen über die Investitionsentgelte auf die Bewohner umgelegt werden.
Für Katrin Eder, Vorsitzende der GRÜNEN Landtagsfraktion Rheinland-Pfalz, ist das der falsche Weg:
„Unter der Hitze leiden insbesondere ältere und pflegebedürftige Menschen. Trotzdem plant die Landesregierung keine Förderung für baulichen Hitzeschutz in Pflegeeinrichtungen. Stattdessen werden die Kosten über die Investitionsentgelte auf die Bewohnerinnen und Bewohner umgelegt.“
Dabei stellen die Eigenanteile für einen Pflegeheimplatz viele Menschen und ihre Familien schon heute vor große finanzielle Herausforderungen. Zusätzliche Kosten für Klimaanpassung würden diese Belastung weiter erhöhen.
„Das Land darf pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen mit den Folgen der Klimakrise nicht allein lassen“, betont Eder. „Wir fordern die Landesregierung dazu auf, die bestehende Förderlücke zu schließen und auch Pflegeeinrichtungen beim Hitzeschutz gezielt zu unterstützen.“
Zu den möglichen baulichen Maßnahmen gehören außen liegende Verschattungen, wirksamer Sonnenschutz, begrünte Dächer und Fassaden oder der Umbau besonders stark aufgeheizter Räume. Welche Lösungen sinnvoll sind, hängt vom jeweiligen Gebäude ab. Entscheidend ist, dass Pflegeeinrichtungen die nötigen Investitionen nicht allein stemmen müssen.
Gute Pflege braucht gute Arbeitsbedingungen
Extreme Hitze belastet nicht nur Bewohner und Patient. Auch Pflegekräfte, Ärzt:innen und weitere Beschäftigte müssen bei hohen Raumtemperaturen konzentriert arbeiten, körperlich anstrengende Aufgaben erledigen und gleichzeitig die Versorgung sicherstellen.
Krankenhäuser berichten laut Landesregierung während Hitzeperioden von einem erhöhten Notfallaufkommen und einer hohen Belastung. Trotzdem kann die Landesregierung bislang nicht sagen, ob Hitze zu Personalausfällen, Versorgungsabmeldungen oder einem geringeren Angebot an Pflegeplätzen geführt hat.
Dazu Josef Winkler, gesundheitspolitischer Sprecher der GRÜNEN Landtagsfraktion:
„Die Beschäftigten leiden bei extremer Hitze selbst unter belastenden Arbeitsbedingungen, während sie gleichzeitig die Versorgung der Patientinnen und Patienten sicherstellen müssen.“
Das Land muss künftig systematisch erfassen, ob Beschäftigte wegen extremer Hitze ausfallen und ob dadurch die Versorgung eingeschränkt wird. Nur mit belastbaren Daten lässt sich erkennen, in welchen Einrichtungen Schutzmaßnahmen fehlen oder zusätzliche Unterstützung notwendig ist.
„Nur dann kann das Land dort nachsteuern, wo Schutzmaßnahmen fehlen“, sagt Winkler.
Organisatorischer und baulicher Hitzeschutz gehören zusammen
Hitzeschutzpläne und organisatorische Vorkehrungen sind wichtig. Einrichtungen können Getränke bereitstellen, besonders gefährdete Menschen engmaschiger betreuen, Räume verschatten und Arbeitsabläufe an sehr heißen Tagen anpassen.
Solche Maßnahmen stoßen jedoch an Grenzen, wenn sich Bewohnerzimmer, Aufenthaltsräume oder Arbeitsbereiche über mehrere Tage stark aufheizen. Deshalb müssen organisatorischer und baulicher Hitzeschutz zusammengedacht werden.
Wir fordern von der Landesregierung eine gezielte Förderung für baulichen Hitzeschutz in Pflegeeinrichtungen. Die Finanzierung muss sozial gerecht sein und darf Pflegebedürftige sowie ihre Angehörigen nicht zusätzlich belasten.
Zugleich muss das Land besser erfassen, wie sich extreme Hitze auf Beschäftigte und die Versorgung auswirkt. Pflegeeinrichtungen brauchen klare Rahmenbedingungen und verlässliche Unterstützung, damit sie Bewohner und Beschäftigte wirksam schützen können.