Der geplante Wechsel des früheren Landtagspräsidenten Hendrik Hering zu Lotto Rheinland-Pfalz hat in den vergangenen Tagen für deutliche Kritik gesorgt. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur sollte bei der Lottogesellschaft ein neuer zweiter Geschäftsführerposten geschaffen werden. Hering sollte diese Funktion übernehmen – zusätzlich zu Christian Baldauf, der als Nachfolger des bisherigen Geschäftsführers Jürgen Häfner vorgesehen ist.
Nun ist klar: Hering zieht zurück. Gegenüber der Deutschen Presseagentur erklärte er, es sei ein Fehler gewesen, diese Möglichkeit überhaupt in Betracht gezogen zu haben.
Der Rückzug ist richtig – aber er beantwortet nicht alle Fragen
Dass Hendrik Hering den zweiten Chefposten nicht annimmt, ist richtig. Dieser Entscheidung gebührt Respekt und sie beweist, welche Wirkung öffentlicher Widerspruch entfalten kann. Doch damit ist die politische Frage nicht erledigt.
Denn entscheidend ist nicht nur, wer einen solchen Posten übernimmt. Entscheidend ist vor allem, warum dieser Posten überhaupt geschaffen werden sollte.
Lotto Rheinland-Pfalz wurde zuletzt von einem Geschäftsführer geleitet. Der bisherige Geschäftsführer Jürgen Häfner führte die Gesellschaft seit 2014 allein. Nach Angaben aus der Berichterstattung lag seine Vergütung im Jahr 2024 bei knapp 200.000 Euro. Wenn nun zusätzlich ein zweiter Geschäftsführer vorgesehen war, muss die Landesregierung erklären, welche neuen Aufgaben, welche strukturellen Veränderungen oder welche geschäftlichen Gründe diese zusätzliche Führungsebene erforderlich gemacht hätten.
Bislang ist das nicht überzeugend dargelegt worden.
Lotto Rheinland-Pfalz dient dem Gemeinwohl
Lotto Rheinland-Pfalz ist kein beliebiges Unternehmen. Die Gesellschaft steht mehrheitlich im Eigentum des Landes und hat einen besonderen Auftrag: Sie trägt zur Finanzierung gemeinnütziger, sozialer, kultureller, sportlicher und ökologischer Projekte bei.
Genau deshalb muss bei Lotto Rheinland-Pfalz besonders sorgfältig mit öffentlichen Erwartungen, Transparenz und Kosten umgegangen werden. Jeder Euro, der in zusätzliche Spitzenposten fließt, muss nachvollziehbar begründet sein. Auf keinen Fall darf der Eindruck entstehen, dass eine gemeinwohlorientierte Gesellschaft für politische Personalarrangements genutzt wird.
Katrin Eder, Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN Landtagsfraktion, hatte bereits deutlich gemacht: Ein zweiter Geschäftsführer bei Lotto Rheinland-Pfalz ist äußerst fragwürdig. Ziel der Lottogesellschaft ist es, das Gemeinwohl zu fördern und eine sichere Grundlage für wichtige Projekte zu schaffen. Dieses Ziel darf nicht Partei- oder Partikularinteressen geopfert werden.
Bund der Steuerzahler und Sportbund Rheinhessen kritisieren Pläne deutlich
Die Kritik kam nicht nur aus dem Parlament. Auch der Bund der Steuerzahler Rheinland-Pfalz äußerte deutliche Zweifel an der geplanten Schaffung eines zweiten Geschäftsführerpostens. Widerspruch kam zudem aus dem organisierten Sport: Der Sportbund Rheinhessen, selbst Gesellschafter von Lotto Rheinland-Pfalz, stellte klar, dass er im Vorfeld nicht über die Planungen informiert worden sei und keinen Bedarf für eine zusätzliche Geschäftsführung sehe. Die drei regionalen Sportbünde Rheinhessen, Pfalz und Rheinland sind mit 49 Prozent Gesellschafter von Lotto. Die übrigen 51 Prozent hält das Land Rheinland-Pfalz.
Das zeigt: Es geht hier nicht um parteipolitische Zuspitzung, sondern um eine grundlegende Frage des Umgangs mit öffentlichen Unternehmen. Gerade bei landesnahen Gesellschaften müssen Personalentscheidungen transparent, fachlich begründet und am tatsächlichen Bedarf der Institution orientiert sein. Wenn stattdessen der Eindruck entsteht, dass nach einem Regierungswechsel neue Posten geschaffen oder Spitzenpositionen politisch austariert werden, beschädigt das Vertrauen in staatliches Handeln.