„3.703 Ablehnungen bei 6.168 erfolgreichen Anmeldungen sind ein Warnsignal. Da passt etwas nicht zusammen“, sagt die bildungspolitische Sprecherin der GRÜNEN Landtagsfraktion, Katharina Binz.
Vier von fünf kapazitätsbedingten Ablehnungen entfallen auf IGS
Für die fünften Klassen des Schuljahres 2026/2027 nennt das Bildungsministerium 17.538 Anmeldungen an Gymnasien, 15.844 an Realschulen plus und 6.168 an Integrierten Gesamtschulen. Für die Förderschulen liegt noch keine abschließende Zahl vor.
Aus den Einzelwerten der drei Anlagen zur Antwort ergeben sich folgende Zahlen:
| Schulart | Anmeldungen für Klasse 5 | Wegen fehlender Kapazitäten nicht aufgenommen |
|---|---|---|
| Gymnasium | 17.538 | 386 |
| Realschule plus | 15.844 | 525 |
| Integrierte Gesamtschule | 6.168 | 3.703 |
Damit entfallen rund 80 Prozent aller in den Anlagen ausgewiesenen kapazitätsbedingten Ablehnungen auf Integrierte Gesamtschulen.
Katharina Binz dazu:
„Insbesondere die hohe Zahl von Ablehnungen an den Integrierten Gesamtschulen zeigt, dass der Elternwille in Rheinland-Pfalz nicht überall ausreichend abgebildet wird. Das Angebot an Integrierten Gesamtschulen wird der Nachfrage nach gemeinsamem Lernen vielerorts nicht gerecht.“
Gemeinsames Lernen wird in ganz Rheinland-Pfalz nachgefragt
In einer Integrierten Gesamtschule lernen Kinder mit unterschiedlichen Begabungen und Bildungsperspektiven länger gemeinsam. An einer IGS können die Berufsreife, der qualifizierte Sekundarabschluss I und – bei vorhandener Oberstufe – das Abitur erworben werden. Gerade diese Durchlässigkeit macht die Schulart für viele Familien attraktiv.
Die Kapazitätsprobleme beschränken sich nicht auf einzelne Städte oder Landkreise. Besonders viele Kinder konnten laut Antwort unter anderem an der IGS Ludwigshafen-Gartenstadt mit 180 Ablehnungen, der IGS Neuwied mit 170, der IGS Mainz-Bretzenheim mit 158, der IGS Worms mit 148, der IGS Frankenthal mit 146 und der IGS Oppenheim mit 144 Ablehnungen nicht aufgenommen werden. Auch in Ingelheim, Wörrstadt, Bad Kreuznach, Nieder-Olm, Trier, Plaidt, Selters und vielen weiteren Orten überstieg die Nachfrage die vorhandenen Plätze deutlich.
Die Zahlen zeigen damit ein landesweites Bild: Von der Region Koblenz und dem nördlichen Rheinland-Pfalz über Mainz und Rheinhessen bis nach Ludwigshafen, in die Pfalz und nach Trier wünschen sich mehr Familien einen Platz an einer IGS, als gegenwärtig angeboten werden kann.
„Wenn Jahr für Jahr Tausende Kinder an Integrierten Gesamtschulen keinen Platz erhalten und das Land trotzdem keinen Handlungsbedarf erkennt, dann geht das an der Lebensrealität vieler Familien vorbei“, findet Katharina Binz.
Die Landesregierung beschreibt das Losverfahren – aber keinen Ausbauplan
Das Bildungsministerium erklärt die begrenzten Kapazitäten der IGS mit pädagogischen und organisatorischen Gründen. Gibt es mehr Anmeldungen als Plätze, erfolgt die Auswahl in drei Leistungsgruppen und bei Übernachfrage über ein Losverfahren. Nicht aufgenommene Kinder können gegebenenfalls an einer benachbarten IGS nachrücken. Neue Gesamtschulen könnten zudem nur auf Antrag eines Schulträgers und unter weiteren Voraussetzungen errichtet werden.
Die Landesregierung beschreibt so zwar das derzeitige Verfahren. Sie beantwortet aber nicht die entscheidende politische Frage: Wie soll das Schulangebot künftig dort wachsen, wo die Nachfrage nach gemeinsamem Lernen dauerhaft deutlich höher ist als die Zahl der vorhandenen Plätze? Die 3.703 abgelehnten Kinder und ihre Familien hätten eine Antwort darauf verdient.
Hier finden Sie die Antwort der Landesregierung https://dokumente.landtag.rlp.de/landtag/drucksachen/203-19.pdf