Der Sommer 2026 macht sichtbar, was die Klimakrise für den Alltag in Rheinland-Pfalz bedeutet: Hitze, Dürre, Waldbrände und Niedrigwasser belasten Menschen und Infrastruktur. Extreme Temperaturen sind kein Ausnahmefall mehr. Sie gefährden die körperliche und psychische Gesundheit, verschärfen soziale Ungleichheit und stellen Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Kitas und Schulen vor enorme Herausforderungen.
Mit ihrem Antrag fordert die GRÜNE Landtagsfraktion die Landesregierung auf, den Hitzeschutz endlich verbindlich zu organisieren und zu finanzieren. Es geht um schnelle Hilfe für besonders gefährdete Gruppen, aber auch um eine langfristige Strategie für ein klimaangepasstes Rheinland-Pfalz.
„Mit unserem Plenarantrag machen wir einen realistischen und rasch umsetzbaren Vorschlag für ein Sofortprogramm für einen besseren Hitzeschutz im Land“, so Katrin Eder. Sie verweist auf die bereits gravierenden Folgen der Hitze in Rheinland-Pfalz, darunter eine hohe Zahl an Hitzetoten in diesem Jahr sowie massive Belastungen für Kitas, Schulen, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen. Auch Infrastrukturprobleme wie überhitzte Schienen und eingeschränkter Bahnverkehr seien bereits Realität. Der bestehende Hitzeaktionsplan des Landes sei jedoch unverbindlich und nicht ausreichend finanziell oder personell unterlegt.
Die vorgeschlagenen 14 Millionen Euro seien ein erster, kurzfristig umsetzbarer Schritt, um besonders gefährdete Gruppen gezielt zu schützen. Kommunen könnten damit schnell dort handeln, wo die Belastung am größten ist - etwa in Pflegeheimen, Kliniken, Kitas und sozialen Einrichtungen.
Gleichzeitig wird deutlich, dass dies nur der Anfang sein kann: Hitzeschutz braucht eine dauerhafte Strategie, verlässliche Finanzierung und eine bessere Koordination. Dafür fordert die Fraktion unter anderem einen Hitzegipfel auf Landesebene.
Hitze in Rheinland-Pfalz ist eine Gesundheits- und soziale Frage
Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts sind in Rheinland-Pfalz bis zum 2. August dieses Jahres bereits etwa 1.600 Menschen wegen Hitze gestorben. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kinder, Schwangere, chronisch kranke und pflegebedürftige Menschen sowie Menschen ohne Wohnung. Hitze trifft Menschen nicht gleich. Wer in einer schlecht gedämmten Dachgeschosswohnung lebt, keine Kühlmöglichkeit hat oder auf Unterstützung angewiesen ist, trägt ein höheres Risiko.
Die Folgen zeigen sich längst in der sozialen Infrastruktur. In der Stadtklinik Frankenthal starben Ende Juni fünf Menschen innerhalb eines Wochenendes, nachdem sie wegen der Hitze in die Klinik eingeliefert worden waren. Im AZURIT Seniorenzentrum in Eisenberg mussten nach hitzebedingten Beschwerden zusätzliche Sanitätskräfte eingesetzt werden. Aus dem Brüderkrankenhaus Trier werden Temperaturen bis zu 40 Grad in Ambulanzräumen berichtet. Das sind konkrete Warnsignale: Hitzeschutz ist kein Zusatzangebot, sondern Teil einer verlässlichen Gesundheitsvorsorge.
Hitze verschärft zudem soziale Ungleichheit. Schüler, die in schlecht gedämmten Wohnungen leben und deren Familien sich keine Klimaanlage leisten können, schlafen in Hitzeperioden schlechter. Das kann den Schulalltag und den Bildungserfolg beeinträchtigen. Für Träger der freien Wohlfahrtspflege und Kommunen darf die Antwort darauf nicht allein Eigenvorsorge heißen. Das Land muss koordinieren, unterstützen und verlässliche Rahmenbedingungen schaffen.
Wenn Kitas, Schulen, Pflegeheime und Krankenhäuser überhitzen
Auch in Kitas und Schulen wird die Krise unmittelbar spürbar. Die Kindertagesstätte Christ-König in Ludwigshafen kann wegen unerträglicher Temperaturen in den Räumen nur bis zur Mittagszeit öffnen. In der Kita Zollhafen in Mainz mussten während der Juni-Hitzewelle Krippenkinder mittags nach Hause geschickt werden. Wenn Einrichtungen ihre Betreuung einschränken müssen, weil Räume überhitzen, fehlt es nicht an Erkenntnis, sondern an wirksamem Hitzeschutz vor Ort.
Der Antrag setzt deshalb dort an, wo Schutz schnell spürbar werden kann: in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, sozialen Einrichtungen, Kitas und Schulen. Organisatorische Maßnahmen wie zusätzliche Getränke und angepasste Abläufe bleiben wichtig. Sie reichen jedoch nicht aus, wenn Räume dauerhaft zu heiß werden. Nötig sind natürlicher, baulicher und technischer Hitzeschutz: wirksamer Sonnenschutz, Begrünung, Entsiegelung, Dämmung und Kühlung. Dazu gehören auch ausdrücklich Klimaanlagen, bevorzugt in Kombination mit Photovoltaikanlagen.
Hitzeschutz betrifft außerdem den öffentlichen Raum und die Mobilität. Die Pellenzstrecke zwischen Mayen und Andernach musste zum Beispiel wegen Gleisverwerfungen zeitweise eingeschränkt und in Teilen gesperrt werden, weil die Schienen für Reparaturen zu heiß waren. Die Folgen der Hitze reichen damit weit über einzelne heiße Tage hinaus.
14 Millionen Euro für ein Hitzeschutz-Sofortprogramm
Die GRÜNE Landtagsfraktion schlägt ein Hitzeschutz-Sofortprogramm mit einem Gesamtvolumen von rund 14 Millionen Euro vor. Damit sollen Kommunen, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen kurzfristig handlungsfähig werden. Für vollstationäre Pflegeplätze sind 100 Euro pro Bewohner vorgesehen, für Krankenhausbetten jeweils 100 Euro. Bei rund 33.000 vollstationären Pflegeplätzen und etwa 23.000 Krankenhausbetten ergibt das eine Förderung von insgesamt 5,6 Millionen Euro.
Zusätzlich sollen die Kommunen zwei Euro pro Einwohner erhalten. Dieses Geld kann dort eingesetzt werden, wo die Belastung besonders groß ist: für Verschattung und Kühlung in kommunalen Gebäuden, Sonnensegel für Kitas, Spielplätze und Parks, Begrünung und Entsiegelung öffentlicher Flächen oder frei zugängliche Trinkbrunnen. Das Sofortprogramm soll die akute Lücke schließen und den Kommunen ermöglichen, gezielt in den Schutz besonders gefährdeter Menschen zu investieren.
Der Antrag verbindet damit den Schutz in Gebäuden mit einer klimaangepassten Siedlungsentwicklung. Hitzeschutz bedeutet nicht nur, Räume abzukühlen. Es bedeutet auch, Städte und Gemeinden so zu gestalten, dass sich weniger Flächen aufheizen, mehr Schatten entsteht und Wasser in der Fläche gehalten werden kann.
Hitzeschutz in Rheinland-Pfalz dauerhaft planen und finanzieren
Ein Sofortprogramm kann nur der Anfang sein. Deshalb fordert der Antrag einen Hitzegipfel, der Schutzmaßnahmen für besonders gefährdete Gruppen koordiniert und die notwendigen mittel- und langfristigen Schritte zusammenführt. Rheinland-Pfalz braucht Hitzeschutz, der im Alltag funktioniert und nicht erst dann beginnt, wenn die Temperaturen bereits gefährlich hoch sind.
Der Antrag fordert die Landesregierung außerdem auf:
- Kommunen bei der Erstellung und Umsetzung von Hitzeaktionsplänen zu unterstützen und die Umsetzung zu begleiten, sowohl bei akuten Hitzewellen als auch bei langfristigen Maßnahmen wie Schwamm-Konzepten.
- Eine Begrünungs- und Entsiegelungsoffensive im Siedlungsbereich zu starten.
- Öffentliche Trinkwasserspender, kartierte kühle Aufenthaltsorte, Hitzebusse und Trinkwasserverteilung für wohnungslose Menschen auszubauen.
- Nachbarschaftliche Hilfen wie Hitzetelefone und Hitzepatenschaften für ältere und alleinlebende Menschen weiterzuentwickeln.
- Informations-, Warn- und Katastrophenschutzsysteme mit Blick auf Hitzeschutz weiterzuentwickeln.
- Eine verbindliche Klimaanpassungsstrategie für Rheinland-Pfalz mit messbaren Zielen vorzulegen und den Landtag regelmäßig über die Umsetzung zu informieren.
- Den Zukunftsplan Wasser konsequent umzusetzen, einschließlich eines landesweiten Niedrigwassermanagements und klarer Regeln für Wasserentnahmen.
Hitzeschutz ist eine Frage der Gerechtigkeit, der Gesundheitsvorsorge und der öffentlichen Daseinsvorsorge. Der Antrag „Hitzesommer als Weckruf: Hitzeschutz ernst nehmen“ zeigt, was jetzt möglich ist: schnell handeln, besonders gefährdete Menschen schützen und Rheinland-Pfalz dauerhaft auf die Folgen der Klimakrise vorbereiten.
Den Antrag der GRÜNEN Landtagsfraktion finden sie hier (Drucksache 19/496).