1. Der Bund muss technologische Fähigkeiten bereitstellen
Waldbrände machen nicht an Kreis- oder Landesgrenzen Halt. Die operative Verantwortung der Länder muss deshalb durch starke, schnell abrufbare Fähigkeiten des Bundes ergänzt werden. Für die luftgestützte Waldbrandbekämpfung müssen bundesweit verfügbare Kapazitäten ausgebaut werden. Dabei denken wir insbesondere an entsprechend ausgestattete Hubschrauber und Löschwasserbehälter. Gleichzeitig brauchen wir eine technologische Offensive bei der Früherkennung und Lagebeobachtung: Satellitendaten, Drohnen und Wärmebildtechnik müssen schneller zu einem gemeinsamen Lagebild zusammengeführt und für Einsatzleitungen nutzbar gemacht werden. Das Gemeinsame Kompetenzzentrum Bevölkerungsschutz muss zu einer echten Drehscheibe für länderübergreifende Waldbrandlagen, gemeinsame Lagebilder und die schnelle Vermittlung von Spezialressourcen weiterentwickelt werden. Dazu gehören gemeinsame Übungen von Bund, Ländern, Kommunen, Feuerwehren, THW und weiteren Hilfsorganisationen.
2. Der beste Waldbrandschutz beginnt vor dem Brand
Waldbrandvorsorge beginnt lange vor dem ersten Feuer. Wer Wälder an den Klimawandel anpasst, beugt auch Waldbränden vor. Monokulturen und durch Hitze und Dürre geschwächte Bestände sind besonders verwundbar. Deshalb wollen wir den Umbau hin zu naturnahen, strukturreichen und klimaresilienten Mischwäldern beschleunigen. Bundesprogramme für klimaangepasstes Waldmanagement müssen verlässlich finanziert und stärker mit konkreter Waldbrandvorsorge verbunden werden. Dazu gehören auch mehr Wasserrückhalt in Wald und Landschaft, gesunde Waldböden sowie standortangepasste Bewirtschaftung. Prävention und Naturschutz dürfen dabei nicht gegeneinander ausgespielt werden: Ein ökologisch stabiler Wald ist langfristig auch ein widerstandsfähigerer Wald.
3. Kommunen und Feuerwehren praktisch unterstützen
Für besonders gefährdete Regionen brauchen wir regionale Waldbrandvorsorgepläne: Wo liegen Wasserentnahmestellen? Welche Wege tragen schwere Fahrzeuge? Wo befinden sich besonders gefährdete Bestände und Siedlungen? Bund und Länder müssen Investitionen in Löschwasserinfrastruktur, geländegängige Fahrzeuge, Spezialausrüstung, digitale Lageführung und Ausbildung gemeinsam unterstützen. Die Erfahrungen der Feuerwehren und Forstleute vor Ort müssen systematisch in die nationale Strategie einfließen.
Gerade in diesen Tagen gehen Bilder von Waldbränden durch die Medien. Umso besorgniserregender sind die Schlagzeilen über das Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz: ein unterbesetztes Lagezentrum, hohe Personalfluktuation, Defizite bei der Digitalisierung und ein Vertrauensverlust bei Feuerwehren und Beschäftigten. Eine Behörde, die im Katastrophenfall führen soll, darf nicht selbst zum organisatorischen Krisenfall werden.