Beim DFB-Pokal-Spiel zwischen Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern kam es zu schweren Ausschreitungen. Rund 1.400 Polizeikräfte waren nach den vorliegenden Angaben rund um das Spiel im Einsatz. Solche Ereignisse müssen Konsequenzen haben. Für uns heißt das: Straftaten verfolgen, den Einsatz gründlich aufarbeiten und zugleich dort investieren, wo Gewalt verhindert werden kann.
Eine pauschale Law-and-Order-Politik gegen Fußballfans führt dagegen nicht weiter. Die große Mehrheit der Menschen im Stadion will ihren Verein unterstützen und gemeinsam den Fußball erleben. Auch der 1. FC Kaiserslautern ist für eine starke Fankultur und eindrucksvolle Choreografien bekannt. Wer friedlich ins Stadion geht, darf deshalb aber nicht unter Generalverdacht stehen.
Die Vorfälle müssen vollständig aufgearbeitet werden
Nach den Ausschreitungen braucht es eine detaillierte Aufarbeitung ohne vorschnelle gegenseitige Schuldzuweisungen. Dazu gehört ebenso eine Analyse des Polizeieinsatzes.
Unser innenpolitischer Sprecher Carl-Bernhard von Heusinger sagt dazu: „Gewalttäter müssen konsequent verfolgt und Straftaten geahndet werden. Fußballfans dürfen trotzdem nicht unter Generalverdacht gestellt werden, eine Law and Order-Politik gegen das Gros der Fans macht keinen Sinn.“
Der Deutsche Fußball-Bund muss jetzt seiner Verantwortung gerecht werden. Er muss die Ereignisse untersuchen und angemessene sportrechtliche Konsequenzen ziehen. Vereine, die in Sicherheit, Prävention und eine konstruktive Fankultur investieren, dürfen dadurch keinen Nachteil haben.
Gute Fanarbeit verhindert Konflikte, bevor sie eskalieren
Sicherheit im Fußball entsteht nicht allein durch mehr Polizei. Professionelle Fanprojekte, Sozialarbeit und ein kontinuierlicher Austausch zwischen Fans, Vereinen, Polizei und Kommunen können Konflikte früh erkennen und entschärfen. Deshalb wollen wir die Fanprojekte in Rheinland-Pfalz stärker und vor allem verlässlich unterstützen. Gute Fanarbeit braucht dauerhafte Strukturen statt kurzfristiger Finanzierung.
Ein sinnvoller Ansatz sind auch die in Rheinland-Pfalz gestarteten Stadionallianzen. Sie bringen die Beteiligten rund um Fußballspiele an einen Tisch und sollen die Zusammenarbeit verbessern. Wir erwarten von der schwarz-roten Landesregierung, diesen Ansatz mit einer langfristig gesicherten Unterstützung der Fanprojekte zu verbinden.
Warum die Allgemeinheit nicht sämtliche Mehrkosten tragen sollte
Bei Hochrisikospielen entstehen durch zusätzliche Polizeikräfte erhebliche Kosten. Beim Pokalspiel in Mannheim waren nach den vorliegenden Angaben etwa 1.400 Einsatzkräfte beteiligt.
Bislang trägt die öffentliche Hand die Kosten solcher Einsätze weitgehend. Wir halten es für richtig, bei den zusätzlichen Kosten von Hochrisikospielen auch den kommerziellen Profifußball in die Verantwortung zu nehmen.
Carl-Bernhard von Heusinger dazu: „Bei einem Milliardengeschäft wie dem Profifußball ist nicht länger hinnehmbar, dass die Kosten vollständig auf die Allgemeinheit abgewälzt werden. Das dafür ausgegebene Geld fehlt der öffentlichen Hand an anderen wichtigen Stellen.“
Es geht dabei ausdrücklich nicht darum, normale Polizeiarbeit rund um jedes Fußballspiel in Rechnung zu stellen. Eine Kostenbeteiligung muss sich auf klar definierte Mehrkosten besonders aufwendiger Hochrisikospiele beziehen und rechtssicher ausgestaltet werden.
Wir brauchen eine gemeinsame Lösung der Länder
Ein Flickenteppich unterschiedlicher Regelungen wäre problematisch. Wenn ein Verein in einem Bundesland für zusätzliche Polizeikosten herangezogen wird und ein vergleichbarer Verein im Nachbarland nicht, können daraus Wettbewerbsverzerrungen entstehen.
Deshalb sollten sich die Innenministerinnen und Innenminister der Länder auf ein gemeinsames Vorgehen verständigen. Innerhalb des Profifußballs brauchen wir dabei eine solidarische Lösung, die die Belastungen nicht allein bei einzelnen Vereinen ablädt.
Rheinland-Pfalz sollte diese Debatte aktiv vorantreiben. Wir erwarten vom neuen Innenminister Achim Schwickert, dass er sich persönlich für eine bundesweit abgestimmte Regelung einsetzt.