Deshalb muss die Landesregierung sicherstellen, dass anspruchsberechtigte Schüler:innen in allen Kommunen auch während der Sommerferien vom Deutschlandticket profitieren können. Aktuell entsteht in Rheinland-Pfalz ein Flickenteppich: Während das Ticket im Juni und August landesweit gültig ist, wird es im Juli in vielen Kommunen deaktiviert.
Warum das Deutschlandticket für Schüler:innen in den Ferien wichtig ist
Das Deutschlandticket ist eine der wichtigsten Reformen für einfache, bezahlbare und klimafreundliche Mobilität. Es macht Bus- und Bahnfahren unkompliziert und bundesweit nutzbar. Die hohen Nutzungszahlen zeigen, dass das Ticket weiterhin stark angenommen wird. Zugleich leistet es einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, weil es den Umstieg auf den öffentlichen Verkehr erleichtert.
Für Schüler:innen hat das Deutschlandticket eine besondere Bedeutung. Es entscheidet nicht nur darüber, wie sie zur Schule kommen, sondern auch darüber, ob sie in ihrer Freizeit mobil sind. Wer in ländlichen Räumen lebt, ist besonders auf verlässliche Bus- und Bahnangebote angewiesen. Wenn das Ticket ausgerechnet in den Sommerferien ausgesetzt wird, trifft das viele Familien im Land.
In Rheinland-Pfalz können Schüler:innen das Deutschlandticket unter Zuzahlung der Eltern nutzen. Diese Möglichkeit stärkt Teilhabe und entlastet Familien. Umso problematischer ist es, wenn die Finanzierung während der Ferien nicht einheitlich geregelt ist.
Im Juli 2026 entscheidet der Wohnort über Mobilität
Für den Juli 2026 sieht die Lage anders aus: In 10 von 24 Landkreisen sowie in 9 von 12 kreisfreien Städten wird das Deutschlandticket für anspruchsberechtigte Schüler:innen deaktiviert.
Der Grund dafür ist, dass der Juli im Jahr 2026 vollständig in den rheinland-pfälzischen Sommerferien (29.06. - 07.08.2026) liegt. Das wird auch im Jahr 2027 der Fall sein (28.06. - 06.08.2027).
Damit entscheidet der Wohnort darüber, ob Schüler:innen in den Sommerferien 2026 mobil bleiben. Das ist sozial ungerecht und verkehrspolitisch falsch. Junge Menschen in Rheinland-Pfalz brauchen verlässliche Mobilität, unabhängig davon, ob ihre Kommune die Finanzierung im Juli freiwillig übernimmt oder nicht.
Die Folge ist ein unübersichtliches Nebeneinander unterschiedlicher Regelungen. Familien müssen prüfen, ob das Ticket im eigenen Landkreis oder in der eigenen Stadt weiter gilt. Kommunen müssen zusätzliche Verwaltungsentscheidungen treffen. Schüler:innen verlieren Planungssicherheit.
Die Ursache liegt in der Finanzierung
Der Unterschied zwischen Juni, Juli und August hängt mit dem Rechtsanspruch und der Finanzierung der Schülerbeförderung zusammen.
Im Juni 2026 sowie im August 2026 besteht ein Rechtsanspruch. Anspruchsberechtigte Schüler:innen erhalten das Deutschlandticket, finanziert durch die Kommunen zur Erfüllung ihrer Aufgabe in der Schülerbeförderung sowie durch einen Zuschuss des Landes. Dieser Landeszuschuss ist allerdings seit Langem nicht mehr auskömmlich. Zwischen Land und Kommunen besteht eine erhebliche Finanzierungslücke in der Schülerbeförderung.
Im Juli 2026 besteht dagegen kein Rechtsanspruch. Die Finanzierung des Deutschlandtickets außerhalb der Schulzeit gilt als freiwillige Leistung der Kommune. Dafür gibt es keinen Zuschuss des Landes. Die Kommunen müssten die Kosten vollständig selbst tragen. Angesichts angespannter kommunaler Haushalte streichen einige Kommunen deshalb die Finanzierung des Deutschlandtickets für Schüler:innen für den Juli 2026.
Das Problem ist damit nicht gelöst, sondern nur verlagert: auf Familien, Jugendliche und Kommunen.
Landesregierung muss Mittel für zwölf Monate bereitstellen
Die Landesregierung muss handeln. Sie sollte die Mittel für die Schülerbeförderung nach Schulgesetz so bereitstellen, dass Kommunen sie zwölf Monate im Jahr nutzen können. Nur so lässt sich sicherstellen, dass Schüler:innen auch in den Sommerferien zuverlässig mobil bleiben.
De facto wird derzeit auf Kosten von Familien und Jugendlichen gespart. Gleichzeitig entsteht zusätzlicher bürokratischer Aufwand, weil Kommunen im Juli 2026 eigene Entscheidungen treffen und unterschiedliche Regelungen umsetzen müssen.
Auch fachlich ist diese Praxis schwer nachvollziehbar. Rheinland-Pfalz und seine Aufgabenträger erhalten pro verkauftem Deutschlandticket Zuweisungen. Wenn Tickets im Juli 2026 deaktiviert werden, reduzieren sich auch diese Zuweisungen. Eine verlässliche Finanzierung über alle zwölf Monate wäre deshalb nicht nur sozialpolitisch richtig, sondern auch verwaltungspraktisch sinnvoller.
Wahlversprechen beim Deutschlandticket wurde einkassiert
Ministerpräsident Schnieder hatte im Wahlkampf ein kostenfreies Deutschlandticket für alle Schüler:innen versprochen. Dieses Versprechen hat Schwarz-Rot längst einkassiert. Statt einer landesweit verlässlichen Lösung erleben Familien nun unterschiedliche Regelungen je nach Wohnort.
Gerade bei einem Mobilitätsangebot, das junge Menschen Teilhabe ermöglichen soll, braucht es Klarheit und Einheitlichkeit. Unklare Regelungen wie jetzt untergraben das Vertrauen und führen zu unnötigen Ungleichheiten.
Schülerverkehr grundsätzlich neu finanzieren
Über die aktuelle Sommerferien-Regelung hinaus muss die Finanzierung des Schülerverkehrs im ÖPNV grundlegend neu aufgestellt werden. Der im Schulgesetz formulierte 4-Kilometer-Radius muss abgeschafft werden. Die Nutzung von Bus und Bahn darf für Schüler nicht länger davon abhängen, wie weit sie von der Schule entfernt wohnen.
Moderne Schülerbeförderung muss Teilhabe, Klimaschutz und gleichwertige Lebensverhältnisse zusammendenken. Wer junge Menschen früh an Bus und Bahn heranführt, stärkt nachhaltige Mobilität im ganzen Land. Dafür braucht Rheinland-Pfalz eine faire, verlässliche und landesweit einheitliche Finanzierung.
Fazit: Mobilität für Schüler:innen darf kein Flickenteppich sein
Das Deutschlandticket ist ein entscheidender Baustein für bezahlbare, einfache und klimafreundliche Mobilität. Für Schüler:innen bedeutet es Teilhabe, Freiheit und Selbstständigkeit. Gerade in den Sommerferien darf dieses Angebot nicht vom Wohnort abhängen.
Die Landesregierung muss die unterschiedlichen Regelungen zwischen den Kommunen beenden, die Kommunen verlässlich finanzieren und das Deutschlandticket für anspruchsberechtigte Schüler in Rheinland-Pfalz über alle Sommerferienmonate hinweg sichern.
Gleichzeitig muss die Finanzierung des Schülerverkehrs grundlegend reformiert werden und die Kilometergrenze im Schulgesetz abgeschafft werden.