Presse

Jugendarmut ist keine Randnotiz

Der DGB Rheinland-Pfalz/Saarland hat heute ein Dossier zur wachsenden Armutsgefahr für junge Menschen vorgestellt. Dazu erklärt Lisett Stuppy, Sprecherin der GRÜNEN Landtagsfraktion für Jugend und Soziales:

„Jugendarmut ist keine Randnotiz, sondern ein zentrales Feld, auf dem die Politik dringend tätig werden muss. Der Jugend fehlt die Perspektive für die Zukunft, wenn sie armutsbedingt weniger Beteiligung, weniger Zugang zu Freizeitangeboten, Ausbildung und Arbeit hat. Diese realen Existenzängste müssen wir ernstnehmen, denn sonst gefährdet Jugendarmut das Fundament unserer Gesellschaft. Neben dem Vertrauen in das bestehende Wirtschaftssystem kann durch die zunehmende Verunsicherung junger Menschen auch die Identifikation mit der Demokratie verloren gehen. Angst vor der Zukunft treibt gerade junge Menschen immer wieder in die Hände von Populisten und Extremisten. Das spiegelt sich vermehrt auch in Wahlergebnissen wider. Dazu kommt: Die immer neuen Nachrichten über herbe soziale Einschnitte aus Berlin bereiten Sorgen und suggerieren, dass Veränderung gleichbedeutend mit Verschlechterung ist. Dabei muss gerade die Jugend den Anstoß zu Veränderungen geben, damit unsere Gesellschaft sich fortentwickeln kann. Die Zuversicht der Jugend muss das Land mit seiner Politik deshalb dringend stärken.“

Natalie Cramme-Hill, Sprecherin für Aus- und Weiterbildung:
„Auszubildende stehen finanziell erheblich unter Druck. Laut DGB-Ausbildungsreport können mehr als zwei Drittel der befragten Auszubildenden von ihrem Ausbildungsgehalt nicht selbständig leben, 50 Prozent sehen ihre finanzielle Situation als belastend an. Deshalb gilt es, junge Menschen in Ausbildung entscheidend zu entlasten und ihnen Wertschätzung entgegenzubringen. Die Berufsausbildungsbeihilfe sollte so erhöht werden, dass Azubis unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern eine Ausbildung aufnehmen können. Damit dies auch dauerhaft gewährleistet ist, muss die Berufsausbildungsbeihilfe regelmäßig dynamisiert werden. Gleichzeitig sollte die Mindestausbildungsvergütung auf 80 Prozent der durchschnittlichen tariflichen Ausbildungsvergütungen erhöht werden. Das würde für Auszubildende im ersten Lehrjahr bis zu 200 Euro mehr bedeuten.“

Dr. Lea Heidbreder, Sprecherin für Bauen und Wohnen, Wissenschaft und Hochschule:
„Mieten sind gerade für junge Menschen in den Städten ein Kostentreiber. Gerade in Städten mit einem angespannten Wohnungsmarkt brauchen wir eine Bauoffensive für bezahlbaren Wohnraum für jungen Menschen. Für die Studierenden kommt hinzu: Immer weniger beziehen BAföG. Ihr Anteil betrug im Jahr 2025 gerade einmal noch 15 Prozent. Weder darf Bildungsgerechtigkeit am Geldbeutel der Eltern scheitern, noch ist es akzeptabel, wenn viele Studierende in prekären Verhältnissen leben. In Hochschulstädten wie Mainz, Trier oder Landau reicht die Wohnkostenpauschale des BAföG hinten und vorne nicht. Die Wohnpauschale muss sich deshalb endlich an den realen Mietkosten vor Ort orientieren. Wir brauchen eine grundlegende Reform hin zu einem elternunabhängigen und existenzsichernden BAföG.“