Rheinland-Pfalz ordnet seine Krankenhausversorgung neu
Welche Behandlung wird künftig an welchem Krankenhaus angeboten? Diese Frage betrifft Patient:innen ebenso wie Beschäftigte und ganze Regionen. Mit der Umsetzung der Krankenhausreform ändert sich die Krankenhausplanung in Rheinland-Pfalz grundlegend.
Die bisherige Planung nach Betten wird durch sogenannte Leistungsgruppen ersetzt. Krankenhäuser bekommen bestimmte medizinische Leistungen zugewiesen und müssen dafür festgelegte Qualitätsanforderungen erfüllen. Das ist grundsätzlich der richtige Weg.
Unser gesundheitspolitischer Sprecher Josef Winkler bringt das grundlegende Ziel auf den Punkt: „Alle Patientinnen und Patienten müssen zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort gut behandelt werden.“
Spezialisierung kann die Behandlungsqualität verbessern
Bei bestimmten planbaren Eingriffen ist es sinnvoll, medizinische Leistungen stärker zu bündeln. Das gilt beispielsweise für Hüft- und Knieoperationen oder komplexe Krebsbehandlungen. Wer solche Eingriffe häufig durchführt und dafür spezialisierte Teams und die erforderliche Ausstattung vorhält, kann Patient:innen eine hohe Behandlungsqualität bieten. Deshalb unterstützen wir, dass die Krankenhausplanung künftig stärker auf medizinische Qualität schaut. Ob die nun vorgesehene Konzentration an einzelnen Standorten ausreicht, muss sich in der Praxis zeigen. Gerade bei Krebsoperationen wollen wir, dass Behandlungen dort stattfinden, wo besondere Erfahrung vorhanden ist.
Beim Schlaganfall zählt jede Minute
Wo Spezialisierung sinnvoll ist, hängt stark von der jeweiligen Behandlung ab. Eine planbare Operation lässt sich an einem spezialisierten Standort organisieren. Bei einem Schlaganfall sieht das anders aus.
„Anders als bei planbaren Operationen zählt bei einem akuten Schlaganfall jede Minute“, sagt der Neurologe und Bundestagsabgeordnete Armin Grau.
Menschen mit einem Schlaganfall müssen schnell eine sogenannte Stroke Unit erreichen. Das sind spezialisierte Krankenhausstationen für die Behandlung von Schlaganfällen.
Nach den vom Land vorgestellten Planungen würden derzeit rund 15 Prozent der Menschen in Rheinland-Pfalz eine solche Station nicht innerhalb von 30 Minuten erreichen. Zusätzliche Stroke Units im Hunsrück und in Bitburg würden die Situation verbessern. Nach den vorliegenden Berechnungen blieben aber auch dann noch rund zehn Prozent der Bevölkerung außerhalb dieses 30-Minuten-Radius.
Hier reicht die bisherige Planung also noch nicht aus. Wir halten eine weitere Schlaganfalleinheit in der Vulkaneifel und passende Rettungsdienstkonzepte für weitere schlecht erreichbare Regionen für notwendig.
Grundversorgung muss im ganzen Land erreichbar bleiben
Rheinland-Pfalz ist ein Flächenland. Eine Krankenhausreform kann deshalb nicht allein danach beurteilt werden, ob spezialisierte Medizin an einzelnen Standorten besser organisiert wird. Auch die wohnortnahe Grundversorgung muss funktionieren.
Das bedeutet nicht, dass jedes Krankenhaus künftig jede Behandlung anbieten kann. Wo die notwendige Erfahrung, Ausstattung oder Sicherheit für bestimmte Eingriffe fehlt, kann eine Bündelung an anderen Standorten richtig sein.
Gleichzeitig trägt das Land Verantwortung dafür, dass dadurch keine neuen Versorgungslücken entstehen. Gerade in ländlichen Regionen müssen neue Angebote entstehen, wenn sich die Aufgaben eines Krankenhauses verändern oder ein Standort wegfällt.
Ein Modell dafür können Regiokliniken sein. Sie verbinden ambulante, stationäre und pflegerische Angebote an einem Ort und können Versorgung dort sichern, wo ein klassisches Krankenhaus in seiner bisherigen Form nicht mehr die richtige Struktur ist.
Eine solche Reform braucht Vertrauen
Die Neuordnung der Krankenhauslandschaft greift tief in gewachsene Strukturen ein. Deshalb reicht es nicht, medizinisch sinnvolle Entscheidungen zu treffen. Das Gesundheitsministerium muss auch nachvollziehbar erklären, wie diese Entscheidungen zustande kommen und was sie für die einzelnen Regionen bedeuten.
In den vergangenen Wochen mussten Betroffene teilweise aus der Presse erfahren, wie es mit ihrem Krankenhaus weitergehen könnte. So sollte eine Reform dieser Größenordnung nicht laufen. Beschäftigte, Ärzt:innen, Kommunen und die Menschen vor Ort brauchen frühzeitig verlässliche Informationen. Kritik und Hinweise aus den Regionen müssen ernst genommen werden. Das ist besonders wichtig, wenn sich Angebote verändern, die Menschen seit vielen Jahren kennen.
Wir schauen jetzt auf die Versorgung in jeder einzelnen Region
Wir unterstützen die Krankenhausreform, weil eine moderne Krankenhausplanung stärker nach medizinischer Qualität fragen muss. Wir werden aber genau hinschauen, was die Umsetzung konkret für Rheinland-Pfalz bedeutet.
Wo Spezialisierung die Behandlung verbessert, unterstützen wir sie. Wo die Grundversorgung gefährdet ist, braucht es Alternativen. Und wo die Planung Lücken offenlässt – wie aktuell bei der Schlaganfallversorgung –, muss das Land nachsteuern.
Gesundheitsminister Hoch muss jetzt zeigen, dass er diesen Umbau nicht nur verwaltet, sondern verlässlich steuert und transparent erklärt.