„Wer eine Ausbildung macht, muss davon auch leben können. Junge Menschen sollen mit ihrer Ausbildungsvergütung ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten können, ohne in die Armutsfalle zu geraten. Dafür brauchen wir faire Vergütungen, bezahlbaren Wohnraum und bezahlbare Mobilität.
Wir wollen das Landestariftreuegesetz so reformieren, dass öffentliche Aufträge nur noch an Unternehmen gehen, die auch ihre Auszubildenden nach Tarif bezahlen. Zudem setzen wir uns für eine Mindestausbildungsvergütung von 80 Prozent der durchschnittlichen tariflichen Vergütung ein. Die Berufsausbildungsbeihilfe und das Schüler-BAföG müssen unbürokratischer, elternunabhängiger und existenzsichernd werden. Die Förderung muss mit steigenden Lebenshaltungskosten und Mieten Schritt halten. Der Grundbedarf muss dazu auf das Niveau des Regelsatzes in der Grundsicherung steigen, die Wohnkostenpauschale an das regionale Mietniveau angepasst werden.
Auch außerhalb des Ausbildungsbetriebs müssen die Bedingungen stimmen. Wir wollen mehr bezahlbaren Wohnraum für Auszubildende schaffen und sicherstellen, dass die Mittel aus dem Programm Junges Wohnen tatsächlich für Auszubildendenwohnheime genutzt werden. Mit einem Mobilitätsbudget, das Staat und Arbeitgeber gemeinsam finanzieren, wollen wir außerdem den Weg zur Ausbildungsstätte bezahlbar machen – egal ob mit Bus, Bahn, Fahrrad oder Auto.
Eine Ausbildung muss jungen Menschen finanzielle Unabhängigkeit ermöglichen, statt sie in die Armut zu führen. Gute Ausbildungsbedingungen sind eine Frage der sozialen Gerechtigkeit und der Zukunftschancen junger Menschen.“
Hintergrund:
Laut DGB-Ausbildungsreport 2026 geben zwei Drittel der Befragten an, von ihrer Ausbildungsvergütung "weniger gut" oder "gar nicht" selbstständig leben zu können. Fast ein Drittel ist auf zusätzliche finanzielle Hilfe der Eltern angewiesen, etwa jeder Achte geht neben der Ausbildung einem Nebenjob nach. Die Hälfte aller befragten Auszubildenden fühlt sich von ihrer finanziellen Situation belastet.