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Warum der Wohnort entscheidet, ob Eltern für den Ganztag zahlen

Ein guter Ganztag bedeutet, dass Kinder sich wohlfühlen, ein vielfältiges Freizeitangebot nutzen und die Unterstützung bekommen, die sie brauchen. Er macht es Eltern leichter, Familie und Beruf ohne schlechtes Gewissen zu vereinbaren. Wir GRÜNE wollen, dass jedes Grundschulkind in Rheinland-Pfalz eine solche Förderung gebührenfrei nutzen kann. Gleiche Qualitätsstandards sollen überall im Land gelten, unabhängig vom Wohnort und vom Einkommen der Eltern.

Seit dem Schuljahr 2026/27 gilt der Rechtsanspruch auf Ganztagsförderung zunächst für die erste Klassenstufe. Jedes Jahr kommt ein weiterer Jahrgang hinzu, bis 2029/30 alle vier Grundschuljahrgänge erfasst sind. Wie der Ganztag ausgestaltet wird, entscheidet darüber, welche Möglichkeiten Kinder am Nachmittag haben und wie verlässlich Eltern ihren Alltag planen können.

Die Antwort auf unsere Große Anfrage zeigt, wie unterschiedlich die Bedingungen in Rheinland-Pfalz sind. Was Familien bezahlen, wie lange Kinder betreut werden und welche pädagogischen Vorgaben gelten, hängt vom Angebot vor Ort ab. Diesen Flickenteppich wollen wir überwinden.

Gebührenfreie Bildung darf nicht am Mittag enden

Wer eine Ganztagsschule in Angebotsform besucht, zahlt dafür bis auf das Mittagessen keine Beiträge. Bei der Betreuenden Grundschule können dagegen Elternbeiträge anfallen. Für Familien macht es also einen finanziellen Unterschied, welches Angebot vor Ort vorfinden.

Das zeigt sich auch in den Zahlen der Landesregierung: Für die Betreuende Grundschule nennt sie monatliche Durchschnittswerte von 25 Euro in Koblenz, 172,88 Euro in Mainz und 256,60 Euro in Ludwigshafen.

Wir sagen: Gebührenfreiheit muss für die Ganztagsförderung unabhängig von der Angebotsform gelten. Und wir sagen auch: Gebührenfreiheit und pädagogische Qualität gehören zusammen. Beides entscheidet darüber, ob der Ganztag zusätzliche Bildungschancen für alle eröffnet.

Zwei Welten bei pädagogischen Rahmenbedingungen

Die pädagogischen Rahmenbedingungen unterscheiden sich je nach Angebotsform. Während die Ganztagsschule einen schulischen Bildungs- und Erziehungsauftrag hat, gilt das für die Betreuende Grundschule nicht.

In den Betreuenden Grundschulen verantworten kommunale oder freie Träger das Personal und die Ausgestaltung.

Für die hier eingesetzten Betreuungskräfte gelten zwar gewisse Anforderungen: Sie müssen fachlich, persönlich und gesundheitlich geeignet sein,es muss sich aber nicht um pädagogisches Personal handeln. Welche Berufsgruppen wie stark vertreten sind, kann die Landesregierung nicht beziffern. Damit fehlt ihr eine wichtige Grundlage, um die personellen Bedingungen und die damit einhergehende Qualität landesweit beurteilen zu können. Das ist umso alarmierender, da der überwiegende Anteil der Kinder im Ganztag betreuende Grundschulen besuchen. Das heißt bei 47.926 Kindern in den Betreuenden Grundschule verschließt die Landesregierung bei der Frage, unter welchen pädagogischen Bedingungen sie dort betreut werden, die Augen.

Alle Kinder brauchen nach einem Vormittag im Unterricht qualifizierte Unterstützung beim Lernen und bei den Hausaufgaben. Sie brauchen aber auch Zeit zum Spielen, zum Ausruhen und um ihren eigenen Interessen nachzugehen – unabhängig davon, wo sie ihren Nachmittag verbringen. Ein guter Ganztag entlastet deshalb nicht nur die Kinder, sondern auch ihre Familien. Wenn Kinder zufrieden nach Hause kommen und Hausaufgaben und Lernzeiten zuverlässig im Ganztag begleitet wurden, bleibt nachmittags und abends mehr Zeit für das, was Familie ausmacht: füreinander da sein, gemeinsam etwas unternehmen und den Alltag ohne zusätzlichen Lerndruck genießen.

Deshalb setzen wir uns auch dafür ein, dass mehr Schulen Ganztagsklassen anbieten. Unterricht, Lernzeiten, Bewegung und Freizeit sollen besser über den Tag verteilt werden. Eine pädagogische Planung, die diese Phasen miteinander verbindet, lässt Raum für Förderung ebenso wie für eigene Interessen und Erholung.

Betreuungszeiten müssen zum Familienalltag passen

An 350 Schulen mit Betreuender Grundschule endete die Betreuung im Schuljahr 2025/26 spätestens um 14 Uhr. An 150 Schulen mit diesem Angebot gab es kein Mittagessen. Für Familien, die Betreuung bis in den Nachmittag benötigen, müssen die Angebote entsprechend erweitert werden.

Auch einen Platz im gewünschten Angebot zu bekommen, ist nicht selbstverständlich. Zum Schuljahr 2026/27 konnten 228 Anmeldungen für die Betreuende Grundschule wegen fehlender Kapazitäten nicht berücksichtigt werden. Für 91 dieser Kinder verweist die Landesregierung auf die beitragsfreie Ganztagsschule am selben Standort. Die übrigen 137 könnten den Schulbezirk wechseln und eine benachbarte Ganztagsschule besuchen.

Wir wollen, dass Familien ein passendes Angebot an der vertrauten Grundschule finden können. Dazu gehört eine Planung, die den Bedarf vor Ort kennt. Das Angebot soll zugleich genügend Flexibilität für die unterschiedlichen Bedürfnisse von Kindern und Eltern lassen. Familien brauchen Wahlmöglichkeiten, auf die sie sich im Alltag verlassen können.

Zur Verlässlichkeit gehört auch die Zeit, in der kein Unterricht stattfindet. Familien brauchen frühzeitig Klarheit darüber, welche Ferienangebote es gibt und wie sie genutzt werden können. Die Ferienbetreuung muss deshalb von Anfang an Teil der örtlichen Planung sein.

Das Land muss Kommunen besser unterstützen

So lange die Landesregierung den bestehenden Flickenteppich der unterschiedlichen Ganztagsangebote toleriert, bestimmen in vielen Fällen die finanziellen Möglichkeiten der Kommunen, wie gut Kinder an Nachmittag gefördert werden. Wir fordern stattdessen, dass die Kommunen beim Ausbau und der Einstellung von qualifiziertem Personal besser unterstützt werden, so dass überall im Land dieselben Standards verlässlich gelten.

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Wir fordern deshalb mehr Landesmittel und eine stärkere organisatorische Unterstützung. Die Landesregierung muss den weiteren Ausbau verlässlich planen und sich einen Überblick darüber verschaffen, welche Angebote Familien benötigen und welches Personal gebraucht wird. Auch wie die Vorgaben vor Ort umgesetzt werden und welche Förderung bei den Kindern ankommt, muss das Land überprüfen.

Vereine und Musikschulen in den Ganztag einbeziehen

Ein Sportverein oder eine Musikschule kann Kindern im Ganztag neue Interessen eröffnen. Wenn Schulen mit ihnen und anderen lokalen Trägern zusammenarbeiten, entstehen vielfältige Angebote und Verbindungen zum Leben vor Ort.

Vereine und Musikschulen befürchten allerdings, dass ihnen Mitglieder verloren gehen, wenn Kinder länger im Ganztag bleiben. Diese Sorge müssen Schulen und Land aufgreifen. Angebote gemeinsam zu planen und Fragen zum Versicherungsschutz zu klären, gehört deshalb zu einer guten Umsetzung.

Solche Kooperationen gibt es bereits. Für Ganztagsschulen in Angebotsform hat das Land Rahmenverträge mit 28 Partnern geschlossen. Die Schulen können die Zusammenarbeit aus ihrem Ganztagsbudget finanzieren. Wir wollen diese Möglichkeiten vor Ort besser nutzbar machen: mit Beratung und einfach nutzbaren Kooperationsverträgen, die Schulen, Vereinen und Musikschulen die Zusammenarbeit erleichtern.

CDU und SPD müssen ihre Bildungsversprechen einlösen

Bei der Ganztagsförderung zeigt sich nun, wie viel die Versprechen der CDU und SPD tatsächlich wert sind. Eltern, Kinder und Kommunen brauchen eine Landesregierung, die Verantwortung übernimmt und eine gebührenfreie, pädagogisch hochwertige Förderung im ganzen Land ermöglicht.

Mit unserer Kampagne für den guten Ganztag wollen wir darüber mit Eltern, Lehrkräften, Schulkindern, Kommunen und Trägern ins Gespräch kommen. Wir wollen erfahren, was sich im Alltag bewährt und wo Familien oder Einrichtungen an Grenzen stoßen. Diese Erfahrungen gehören in die weitere Planung des Ganztags.

Häufige Fragen zur Ganztagsförderung

Seit dem Schuljahr 2026/27 gilt der Anspruch zunächst für die erste Klassenstufe. Jedes Jahr kommt ein weiterer Jahrgang hinzu, sodass ab 2029/30 alle vier Grundschuljahrgänge erfasst sind.

Die Ganztagsschule in Angebotsform ist bis auf das Mittagessen beitragsfrei. Für die Betreuende Grundschule und Horte können Elternbeiträge anfallen. Wir GRÜNE wollen, dass die Ganztagsförderung unabhängig von der Angebotsform gebührenfrei wird.

Wir wollen gebührenfreie Ganztagsförderung mit gleichen Qualitätsstandards für Personal, Mittagessen und Bildungsangebote im ganzen Land. Dafür soll das Land Kommunen und Schulen stärker unterstützen und die Zusammenarbeit mit Vereinen, Musikschulen und lokalen Trägern erleichtern. Die Förderung soll wohnortnah und verlässlich sein. Kinder sollen im Ganztag gemeinsam lernen, spielen, ihre Interessen entdecken und ausreichend Zeit für Erholung haben.