„Rund 1,4 Millionen Menschen in Rheinland-Pfalz engagieren sich ehrenamtlich. Diese Menschen setzen ihre Freizeit für andere ein. Ihr Engagement verdient nicht nur Dank und Anerkennung, sondern vor allem gute Rahmenbedingungen. Gleichzeitig leiden viele Vereine, die auf ehrenamtliche Mitarbeit angewiesen sind, unter Bürokratie und Nachwuchsängsten. Wir wollen sie mit einer gezielten Ehrenamtsoffensive unterstützen.
Dazu muss die Leitstelle Ehrenamt in der Staatskanzlei den Sprung aus Mainz in die Fläche des Landes schaffen. Wir wollen mobile Vereins-Sprechstunden in allen Regionen, beispielsweise gemeinsam mit Kommunen, Freiwilligenagenturen oder lokalen Ehrenamtsstellen. Dort sollen Vereine unkompliziert Fragen zu Förderung, Vereinsrecht, Gemeinnützigkeit, Digitalisierung oder Versicherung klären können. Ergänzt werden soll das Angebot durch digitale Sprechstunden.
Gleichzeitig wollen wir die Bürokratie bei Förderanträgen deutlich reduzieren. Ehrenamtliche sollen ihre Zeit im Verein verbringen – nicht mit Antragsformularen. Gerade kleinere Förderbeträge müssen mit kurzen, verständlichen und vollständig digitalen Anträgen zu beantragen sein. Weniger Nachweise, verständliche Förderrichtlinien, Pauschalen statt kleinteiliger Einzelabrechnungen und vereinfachte Verwendungsnachweise für kleinere Fördersummen bedeuten eine entscheidende Entlastung.
Damit der Info- und Förderdschungel ein Ende hat, muss das Land endlich ein benutzerfreundliches digitales Ehrenamts-Portal einführen. Förderprogramme, Beratung, Weiterbildungen, Mustervorlagen und verständliche Schritt-für-Schritt-Hilfen sollen so an einem Ort gebündelt werden. Auch die Ehrenamtskarte soll digital verfügbar und leicht zu beantragen sein. Denn bei den Nutzerzahlen der Karte gibt es noch viel Luft nach oben.
Klar ist auch: Ehrenamt darf kein finanzieller Nachteil sein. Der entstehende Verdienstausfall wird zwar vom Land erstattet, allerdings nur bis zu einer Höhe von 70 Euro pro Tag. Gleichzeitig kann sich der geringere Verdienst negativ auf die Rentenansprüche auswirken. Die Folge ist, dass sich viele für die ehrenamtliche Tätigkeit lieber Urlaub nehmen. Eine bezahlte Freistellung, bei der die Erstattung direkt an den Arbeitgeber erfolgt, würde hier Abhilfe schaffen.“
Hintergrund
Laut Landesregierung leisten rund 1,4 Millionen Menschen in Rheinland-Pfalz regelmäßig ehrenamtliche Arbeit. Gleichzeitig wurden seit ihrer Einführung im Jahr 2018 nur 15.866 Ehrenamtskarten sowie 3.540 Jubiläumsehrenamtskarten (Stand 15.09.2025) ausgegeben. Hierzu weitere Zahlen und Informationen in der Kleinen Anfrage der Abgeordneten Lisett Stuppy und Carl-Bernhard von Heusinger: 13017-18.pdf